Berichterstattung über Sexualität: Zwischen Tabuisierung und Pornografisierung

Berichterstattung über Sexualität: Zwischen Tabuisierung und Pornografisierung

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Inhaltsangabe:Einleitung: Sex is part of life. It would be unrealistic to expect the mass media to ignore it. Whether it causes offence or harm to the public depends critically on how it is portrayed, and on how it is used by individuals . Problemdarstellung: SexualitAct war noch nie so omniprAcsent wie heute erst recht in den Medien. Wenn man die mediale Verbreitung von SexualitAct betrachtet, denkt man unverzA¼glich an Begriffe wie Aœberflutung, AllgegenwAcrtigkeit, Sexualisierung oder gar Pornografisierung. Sexuelle Reize sind aus den Massenmedien, die uns tAcglich allerorten umgeben, nicht mehr wegzudenken: nackte Frauen in der Werbung oder gleich auf dem Titelblatt einer Zeitung, pornografische Webseiten im Internet, der Erotikfilm im Fernsehen. Die Schlussfolgerung dessen: Die Apffentliche SphAcre ist sexualisiert. Unsere Gesellschaft scheint im 21. Jahrhundert so aufgeklAcrt wie nur mApglich; von einem Tabu kann bei dem Thema SexualitAct scheinbar nicht mehr gesprochen werden. Doch ist dem wirklich so? Und vor allem: Wie sieht es aus, wenn man die Thematik auf SexualitAct und Journalismus eingrenzt? Welche Rolle spielt SexualitAct in der Berichterstattung der Medien und somit auch als Inhalt und nicht nur als gerne genutzt Form oder als Nachrichtenfaktor, der Aufmerksamkeit beim Rezipienten erzeugen soll? OberflAcchliche Reize finden sich in medialen Darstellungen von SexualitAct zur GenA¼ge. Doch abgesehen davon stellt sich die Frage: Werden auch pikante Aspekte und strittige Themen zum Inhalt eines Artikels oder Fernsehbeitrags gemacht? Ein solches Beispiel ist ein Artikel des Magazins NEON in der Ausgabe vom Mai 2005. Darin wird A¼ber AsexualitAct berichtet, ein deviantes Sexualverhalten, dem weder in der A–ffentlichkeit noch in den Medien viel Beachtung geschenkt wird. Doch gerade diese Berichterstattung kann beim Leser SensibilitAct fA¼r das Thema schaffen und gleichzeitig Betroffenen helfen, indem auf Internetforen verwiesen und am Ende des Artikels auch eine Linksammlung angeboten wird. Der Autor Rainer Leurs schreibt: Sich als Asexueller in dieser Welt zu bewegen, das muss ein absurdes GefA¼hl sein: bestA¼rmt von sexy Werbung, sexy Mode, sexy Musikvideos und 'Sex and the City'. Er meint damit: Unsere Welt ist sexualisiert. Die Medien passen sich an und bemA¼hen sich, das Bild der sexualisierten Welt zu reflektieren, aber erzeugen auf der anderen Seite gerade durch ihre Darstellungen erst diese Sexualisierung. Die Frage bleibt also, ob es angebrachter ist, von einer Sexualisierung der Medien zu reden oder aber von einer Medialisierung der SexualitAct. Dieser Lebensbereich ist so vielfAcltig, dass er den Medien per se ein breit gefAcchertes Themenspektrum bietet. Doch wenn man A¼ber die Berichterstattung A¼ber SexualitAct nachdenkt, kommen einem entweder Ratgeberkolumnen oder Berichte A¼ber Sexualdelikte in den Sinn. Gerade letztere begegnen dem Leser, ZuhAprer und Zuschauer immer wieder in den Medien, wie auch die im Jahr 2010 aktuelle Medienberichterstattung A¼ber MissbrauchsfAclle in der katholischen Kirche oder A¼ber den Vorwurf der Vergewaltigung gegenA¼ber dem bekannten Meteorologen JAprg Kachelmann zeigt. Mit der Beziehung zwischen dem System der Medien und dem Lebensbereich der SexualitAct beschAcftigt sich in seiner Arbeit auch der Zusammenschluss der Parlamentarier/Innen fA¼r Sexuelle und Reproduktive Gesundheit und Rechte (SRGR) im Deutschen Bundestag. Die Beteiligten sind laut Margit Miosga der Ansicht, dass bei der Berichterstattung A¼ber SexualitAct hAcufig eine politische Komponente fehle. Miosga ist Mitglied dieses Deutschen Parlamentarischen Forums, das sich unter anderem dafA¼r einsetzt, dass kA¼nftige Journalisten in Seminaren lernen, wie man besser A¼ber SexualitAct berichten kann. In ihrer Arbeit nimmt das Forum Bezug auf das Aktionsprogramm der Internationalen Konferenz fA¼r BevAplkerung und Entwicklung (ICPD), die von den Vereinten Nationen organisiert 1994 in Kairo stattfand. Die Ziele dieses Aktionsprogramms lauteten: Gleichstellung der Geschlechter, Senkung der MA¼tter- und SAcuglingssterblichkeit, Zugang zu Bildung speziell fA¼r MAcdchen, weltweiter Zugang zu qualitativ hochwertigen Dienstleistungen im Bereich der reproduktiven Gesundheit einschlieAŸlich Familienplanung, sexueller Gesundheit, HIV-PrAcvention und Sexualerziehung, Verhinderung von sexueller Misshandlung wie GenitalverstA¼mmelung, von Zwangsheirat und Zwangsprostitution und jeder Art von Sklaverei. Inhaltsverzeichnis:Inhaltsverzeichnis: AbstractI English AbstractII Executive SummaryIII AbkA¼rzungsverzeichnisVI 1EINFAœHRUNG1 1.1Problemdarstellung1 1.2Gegenstand und Ziel der Untersuchung4 1.2.1Erkenntnisinteresse4 1.2.2Forschungsfragen5 1.3Methodik und Vorgehensweise6 1.3.1Untersuchungsdesign6 1.3.2Literaturanalyse9 1.3.3Zur Literaturauswahl11 1.4Konzeption und Struktur der Arbeit14 2SEXUALITA„T UND SEXUELLE MEDIENINHALTE16 2.1Eine Begriffsbestimmung zur SexualitAct16 2.2Sexuelle Sozialisation durch Medien21 2.3Mediale Darstellungen von SexualitAct 25 2.3.1Journalistische Berichterstattung A¼ber SexualitAct29 2.3.2Zwischen Pornografisierung und Tabuisierung31 3LITERATURANALYSE35 3.1Erste Korona: Journalismus und SexualitAct35 3.2Zweite Korona: Medieninhaltsforschung74 3.3Dritte Korona: Medienwirkungsforschung87 3.4Vierte Korona: Weitere Forschungsgebiete105 3.4.1Publikums- und Mediennutzungsforschung105 3.4.2Medien- und SexualpAcdagogik114 3.4.3Kulturgeschichte123 4RESAœMEE UND DISKUSSION137 4.1Fazit und Zusammenfassung der Literaturanalyse137 4.1.1Ergebnisse zur medialen Darstellung von SexualitAct137 4.1.2Ergebnisse zum aktuellen Forschungsstand139 4.2Implikationen fA¼r den medialen Umgang mit SexualitAct143 4.3Limitationen und Ausblick146 5LITERATURVERZEICHNIS148 6STICHWORTVERZEICHNIS163 Textprobe:Textprobe: Kapitel 2.3, Mediale Darstellungen von SexualitAct: [ ] Dass SexualitAct heute medial omniprAcsent ist, ist in der Forschung unbestritten. Der tatsAcchliche Einfluss der Massenmedien auf die Meinungsbildung der BevAplkerung zum Thema SexualitAct wird allerdings noch erforscht. Ein Ergebnis ist unter anderem, dass die Medien mit dem Element der Moralpanik normgerechtes Verhalten standardisieren, Abweichungen sanktionieren und die Apffentliche Aufmerksamkeit strukturieren. Beispielhaft fA¼r eine medial inszenierte Moralpanik ist die Berichterstattung A¼ber den HI-Virus ab 1983. SexualitAct wurde durch AIDS wieder zu einem Politikum, bei dem die Medien zwischen lasterhaft und tugendhaft polarisieren konnten. Hinzu kommt im digital geprAcgten 21. Jahrhundert, dass die Rezipienten, vor allem technisch versierte Jugendliche, zu Produzenten werden und dank Web 2.0 selbst an der Darstellung von SexualitAct in den Medien beteiligt sein kApnnen: In short, adolescents have some control over media's influence on them and, thanks to new media technologies, they have it within their power to produce sexual media content . Man darf sich demnach den Rezipienten nicht als vollkommen unmA¼ndigen BA¼rger vorstellen, der der medialen Berichterstattung ausgeliefert ist. Wie genau diese Berichterstattung aus journalistischer Sicht aussieht, soll im folgenden Kapitel nAcher erlAcutert werden. 2.3.1 Journalistische Berichterstattung A¼ber SexualitAct Warum ist SexualitAct, einer der stAcrksten menschlichen Triebe und BeweggrA¼nde, kein Thema fA¼r ernsthafte(re) Berichterstattung ? Gerade die journalistische Berichterstattung A¼ber SexualitAct kann einen starken Einfluss auf die vorherrschende Meinung der BevAplkerung zu einem sexuellen Thema haben. Denn innerhalb einer demokratischen Gesellschaft besitzen Massenmedien und insbesondere der Journalismus drei herausragende gesellschaftliche sowie politische Funktionen: Sie sollen informieren; sie sollen helfen, sich eine Meinung zu bilden; sie sollen das politische System kritisieren und kontrollieren. Zudem sollen die Massenmedien dazu beitragen, bestimmte Sachverhalte Apffentlich zu machen (Artikulation) sowie die Aufmerksamkeit der BevAplkerung auf wichtige Themen und Ereignisse zu lenken (Agenda-Setting-Funktion). Sie erfA¼llen eine Unterhaltungsfunktion ebenso wie eine Integrations- und Sozialisationsfunktion (siehe dazu auch Kapitel 2.2). Letztlich soll der Journalismus auAŸerdem Bildung vermitteln. Journalisten tragen insofern eine relevante Verantwortung, da ihre Berichterstattung A¼ber SexualitAct Einfluss hat auf den Wissensstand, die Kenntnisse und die Meinungsbildung in der BevAplkerung. In jedem Punkt der Beitragsproduktion von der Themenauswahl A¼ber die Recherche bis hin zur Artikulation und Verbalisierung besitzen Journalisten an important, liberating role [ ] through the choices they make in terms of style, tone, and even whom they choose to interview . Vorurteilsstrukturen in der Berichterstattung kApnnen potentiell die Dynamik kultureller (und anderer) Konflikte beeinflussen. SexualitAct ist ein interessantes Thema fA¼r eine Berichterstattung, denn die sexuelle Erfahrung ist neben dem Tod [ ] die allgemeinste Erfahrung. Zum anderen lebt Sex immer noch vom Mythos der geheimsten, intimsten, individuellsten Erfahrung , obgleich hier darauf verwiesen sei, dass sich dieser Mythos gerade dadurch abnutzt, dass SexualitAct so Apffentlich (omni-)prAcsentiert wird. In journalistischen Darstellungsformen wird SexualitAct in vielfAcltiger Weise thematisiert. Im Fernsehen berichten beispielsweise Reportagen und Dokumentationen A¼ber die Pornoindustrie, Fetisch und Prostitution. Diese kann man ganz ohne das dem medialen Sex sonst anhaftende SchamgefA¼hl zeigen, denn sie sind sanctioned as serious discourses and meta-discourses about culture, rather than gratuitous opportunities for voyeuristic pleasure . Doch SexualitAct muss nicht zwangslAcufig derart explizit thematisiert werden. Auch wenn Sex nicht im Titel steht, beschAcftigen sich journalistische BeitrAcge und Artikel durchaus mit sexuellen Aspekten: In Magazinsendungen wie 'Explosiv' (RTL) wird A¼ber Penisprothesen und anderes berichtet, eine WDR-Reportage thematisierte Potenzprobleme und wie sie klinisch zu behandeln sind [ ], Reportagen A¼ber [ ] Kinderpornographie finden sich an allen mApglichen Stellen, sowohl im privaten als auch im Apffentlich-rechtlichen Fernsehen . TV-Talkshows und Boulevardmagazine beziehen sich laut Pundt mit fernsehspezifischen Mitteln direkt auf einen gesellschaftlichen Diskurs A¼ber SexualitAct. SexualitAct lieAŸe sich im Medium Fernsehen nur als Mittel der Diskursanreizung effektiv einsetzen. Inzwischen habe sich die mediale Transformation von SexualitAct aber lAcngst vom Fernsehen ins Internet verlagert. Eine weitere MApglichkeit der journalistischen Berichterstattung A¼ber SexualitAct sind BeitrAcge mit Ratgebercharakter. Sie tragen fA¼r die Rezipienten dazu bei, neue Zonen des Normalen und neue Subjektpositionen nicht zuletzt innerhalb der heterosexuellen Matrix zu etablieren . RatgeberbeitrAcge sind hAcufig sexualpAcdagogisch geprAcgt und vorrangig in Printmagazinen zu finden. Um die SexualpAcdagogik seriAps erscheinen zu lassen, treten vermehrt Fachleute als Ratgeber auf: Massenmediale Beratung ist jener Ort, an dem der Diskurs des Sexuellen nicht nur unterhAclt und erregt, sondern Expertinnen und Experten auftreten lAcsst, die das Publikum A¼ber die Feinkalibrierung von Normen und mApglichen Devianzen aufklAcren, und wo spezifisch auf Selbststeuerung ausgerichtete Angebote formuliert werden .(Gunter 2002: 269). 1.1. Problem. darstellung. SexualitAct war noch nie so omniprAcsent wie heute a€“ erst recht in den Medien. Wenn man die mediale ... Ein solches Beispiel ist ein Artikel des Magazins a€žNEONa€œ in der Ausgabe vom Mai 2005.


Title:Berichterstattung über Sexualität: Zwischen Tabuisierung und Pornografisierung
Author: Tina Knaut
Publisher:diplom.de - 2011-04-18
ISBN-13:

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